Empfang für die Theodor-Körner Preisträger des Jahres 2005 in der Wiener Hofburg
Meine Damen und Herren!
Es ist mir eine große Freude, Sie hier in der Wiener Hofburg zu begrüßen. Eine schöne, und wie ich meine, richtige und gute Tradition ist es, dass die Preisträger des Theodor-Körner Förderungspreises jedes Jahr am Tag der Verleihung vom Bundespräsidenten empfangen werden. Auch ich habe mich gerne zur Fortführung dieser Tradition bereit erklärt, weil ich
1. die Rolle des Theodor-Körner Förderungspreises überaus schätze;
2. weil die Förderung junger Wissenschafterinnen und Wissenschafter, Künstlerinnen und Künstler auch mir ein besonderes Anliegen ist
3. weil ich dem Theodor Körner Fonds für seine Arbeit danken möchte, und
4. weil ich mich über die Möglichkeit freue, von interessanten wissenschaftlichen Projekten zu erfahren oder mit spannenden künstlerischen Vorhaben konfrontiert zu werden.
Darüber hinaus habe ich gerne erst vor wenigen Wochen die Patronanz über den Theodor-Körner Fonds übernommen, damit auch nachvollziehbar und sichtbar die enge Beziehung dieser Einrichtung zum österreichischen Bundespräsidenten zum Ausdruck kommt.
Generell lässt sich sagen, dass sich Preisträgerinnen und Preisträger des Theodor Körner Förderungspreises in bester Gesellschaft befinden. Zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, der Wissenschaft und Kunst haben diesen angesehenen Preis erhalten – freilich auch sie meist zu einem Zeitpunkt, als sie noch nicht so bekannt oder berühmt waren, wie sie dies später wurden. Unter ihnen finden sich klingende Namen wie jener des Komponisten Gottfried von Einem oder des Malers Christian Ludwig Attersee. Ebenso Preisträger sind der Biologe Antal Festetics, die Malerin Maria Lassnig, der Schriftsteller Christoph Ransmayr, der Historiker und Journalist Manfred Scheuch, die Politikerinnen Herta Firnberg und Ingrid Leodolter, Jörg Mauthe, Friederike Mayröcker, Otto Molden oder Helmut Zilk.
Diese Liste, die absolut unvollständig ist, lässt erkennen, dass der Preis seinem selbst gesteckten Ziel, nämlich junge Menschen zu fördern, von denen noch wichtige Beiträge in ihren jeweiligen Disziplinen erwartet werden können, durchaus gerecht wird.
Als Bundespräsident Theodor Körner den Preis, der seinen Namen trägt stiftete, war die Förderung von jungen Künstlern und Wissenschaftern in Österreich ganz und gar ungenügend. Ich glaube, man kann sagen, dass von den heute vorhandenen Preisen etwa nur ein Zehntel damals bereits existierte. Die Stiftung eines solchen Preises war daher damals eine kleine Sensation.
Heute erinnert uns dieses Bild an den Urheber dieses Preises. Theodor Körner war zunächst General, wurde dann nach dem Ende des Krieges Wiener Bürgermeister und hat in dieser Funktion Großes geleistet. Nach dem Tod von Bundespräsident Karl Renner wurde er 1951 zum Bundespräsidenten gewählt und obwohl er damals schon ein ansehnliches Alter erreicht hatte, er war 78 Jahre alt, war er rüstig und entschlossen.
In den 50er und 60er Jahren verbesserte sich die Situation der Kunst- und Wissenschaftsförderung, und auch in der Zeit, als ich Bundesminister war, konnte man mit positiven Nachrichten aufwarten. Das Budget für Wissenschaft und Kunst wurde laufend erhöht und es zeichnete sich ein erfreuliches Bild für den Nachwuchs ab.
Heute sind viele Wissenschafter und Künstler wieder von Ungewissheiten umgeben und mitunter von Existenzsorgen geplagt. Ich glaube, dass in diesem Umfeld der Theodor-Körner Preis sehr hilfreich sein kann.
In den 52 Jahren seit der Gründung des Theodor Körner –Fonds sind hunderte Künstlerinnen und Künstler, Wissenschafterinnen und Wissenschafter ausgezeichnet und durch ein Preisgeld gefördert worden. Auch heuer sind wieder 47 junge Menschen ausgewählt worden, deren Arbeiten eine hoch qualifizierte und sehr genau arbeitende Jury überzeugen konnten. Insgesamt wurden – so habe ich in meinen Unterlagen gesehen – zirka 250 Anträge gestellt, von denen 47 berücksichtigt werden konnten. Das ist etwa ein Fünftel, aber ich bin überzeugt, auch wenn ich die eingereichen Arbeiten nicht kenne, dass noch weit mehr Projekte die Kriterien für eine Förderung erfüllt hätten.
Wir alle sind uns darüber hinaus der Tatsache bewusst, dass die prämierten Projekte in keiner Relation zu den Preisgeldern stehen können: Es ist kaum möglich anzunehmen, ein Roman, eine Kunstinstallation, eine historische oder naturwissenschaftliche Forschungsarbeit ließen sich mit 1.500,- oder 3.000,- Euro finanzieren. Ganz abgesehen von der Überzeugung, die ich hege, dass der Wert der geleisteten Arbeit die bloße Finanzierung bei weitem übersteigt. Wir alle wissen, dass der Preis eine Anerkennung ist, eine Geste der Wertschätzung und eine Ermutigung.
Ich möchte daher einerseits den Preisträgerinnen und Preisträgern sehr herzlich gratulieren, die zu Recht stolz auf ihre Leistung sein dürfen. Sie haben überzeugende Projekte vorgelegt und ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihre Vorhaben auch so umsetzen können, wie Sie sich dies vorgestellt haben. Zu all jenen, die keinen Preis erhalten haben – und daher auch heute nicht unter uns sind - aber möchte ich sagen, dass das kein Grund ist, entmutigt zu sein und sie jedenfalls nicht davon abhalten soll, weiterhin zu forschen, weiterhin zu schreiben, zu komponieren oder zu malen.
Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang einen Dank und ein Anliegen formulieren: Zum einen danke ich den ehrenamtlich arbeitenden Beirat und dem ebenfalls ehrenamtlich arbeitenden Kuratorium des Körnerfonds für ihr Engagement, ihrem Einsatz von Zeit und Können, der die Arbeit dieser Institution ermöglicht. Danken möchte ich auch der Arbeiterkammer und den vielen Sponsoren, die jedes Jahr für das Bereitstellen der Preisgelder Sorge tragen.
Ich möchte bei dieser Gelegenheit die Bitte äußern, dass Anstrengungen unternommen werden, die finanzielle Ausstattung des Fonds zu erhöhen und zwar aus zwei Gründen: Ziel des Theodor Körner Fonds ist es, möglichst viele junge Menschen auszuzeichnen und, so weit dies möglich ist, bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Eine Erhöhung des Geldbetrages, der zur Ausschüttung zur Verfügung steht, könnte zur Förderung von noch mehr kreativen Nachwuchsforscherinnen und -forschern und Künstlerinnen und Künstlern verwendet werden. Der zweite Grund besteht darin, dass durch eine finanzielle Besserstellung des Fonds auch die Preisgelder angehoben werden könnten. Dies käme dem Ziel einer – wenn ich so sagen darf – Kostenwirklichkeit im Bereich von Wissenschaft, Kunst und Forschung entgegen.
Beides, eine Erweiterung der Preisträgerinnen und Preisträger als auch einer Erhöhung der Preise würde auch der Tatsache gerecht werden, dass sich gerade für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, aber auch Künstlerinnen und Künstler in den letzten Jahren die Einkommenssituation eher verschlechtert, als verbessert hat und auch Karrierechancen derzeit nicht mehr so klar vorgezeichnet sind, wie dies noch vor einer Generation war. Generell führt dies vor allem im Bereich der Wissenschaften dazu, dass derzeit ca. 400 000 europäische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den USA forschen, darunter viele Österreicherinnen und Österreicher, die bei uns keine Chancen sehen. Ich weiß natürlich, dass ein Körner-Preis diesen Trend nicht umkehren kann. Sehrwohl müssen wir uns aber dieses Problems bewusst sein und überall auch mit kleinen Schritten versuchen, Nachwuchsleistungen entsprechend zu honorieren.
Dieses Anliegen ist nicht maßlos, sondern ganz im Gegenteil besonders maßvoll. Maßvoll nämlich ist, was angemessen ist. Unsere jungen Wissenschafterinnen und Wissenschafter, Künstlerinnen und Künstler zu fördern, wo und wann immer das möglich ist, halte ich für überaus angemessen.
Für heute danke ich Ihnen für Ihr Kommen und freue mich schon auf die Gespräche mit den Preisträgerinnen und Preisträgern.
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