Rede in der Akademie der Wissenschaften anläßlich des 10jährigen Jubiläums des Wittgensteinpreises und der Verleihung von Ehrenzeichen
Sehr geehrte Damen und Herren!
Wir sind heute in dieser feierlichen Form aus mehreren
Gründen zusammengekommen: Um die traditionelle Verleihung des
Wittgensteinpreises und der Startpreise vorzunehmen, um das zehnjährige
Bestehen dieser angesehenen Auszeichnung zu feiern, um an vier höchstverdiente
Wissenschafter und Forscherpersönlichkeiten Ehrenzeichen zu verleihen, und last
but not least um ein Bekenntnis zur Bedeutung von Wissenschaft und Forschung
abzulegen.
Meine Damen und Herren!
Ich habe im Frühjahr und im Sommer an einem Buch gearbeitet,
das vor wenigen Tagen unter dem Titel „Überzeugungen“ erschienen ist. Eines der
Kapitel in diesem Buch heißt „Popper, Handke und Co.“ – vielleicht eine etwas saloppe
Kapitelüberschrift, aber es ist wenigstens nicht schwer zu erraten, dass es um
Wissenschaft und Kunst geht.
Ich habe mich bemüht, die große Bedeutung von Wissenschaft und
Kunst sowohl für das einzelne Individuum als auch für die ganze Gesellschaft
hervorzuheben.
Auch für unser Land - für Österreich - sind Wissenschaft und
Kunst von entscheidender Relevanz. Wir haben gerade auf diesem Gebiet großartige
Leistungen, aber auch schreckliche Fehlentwicklungen auf unserem historischen
Konto.
Wie leicht ist es doch, ein umfangreiches Buch über die ganz
außergewöhnlichen Leistungen im Bereich von Wissenschaft und Kunst im
Österreich des 20. Jahrhunderts zu verfassen.
Aber wie leicht ist es leider auch, ein Buch über die
Unterdrückung wissenschaftlicher und künstlerischer Freiheit, über die
Vernichtung so genannter entarteter Kunst, über die Vertreibung von Künstlern
und Wissenschaftern, oder auch nur über Versäumnisse und Kurzsichtigkeiten auf
diesem Gebiet zu schreiben.
Und wie schwer wäre es, zu begreifen, dass es sich bei beiden
Büchern um das ein und dasselbe Land handeln würde. Licht und Schatten,
Großartiges und Beschämendes sind in dieser Periode oft beklemmend nahe
beisammen gelegen.
Meine Damen und Herren!
Ich habe vor rund 50 Jahren maturiert. Und vor knapp 50
Jahren an der Wiener Universität inskribiert. Ich habe noch eine
Wissenschaftslandschaft kennen gelernt, in der der Rechtspositivismus auf
akademischen Boden keine Chance hatte. In der es das Fach Politikwissenschaft
noch nicht gegeben hat. In der für Stipendien ca. 5 oder 6 Millionen Schilling
pro Jahr für ganz Österreich zur Verfügung standen, die freihändig und ohne gesetzliche
Grundlage vergeben wurden. Und in der die Universitätsorganisation bis in die
2. Hälfte des 20 Jahrhunderts im Wesentlichen auf gesetzlichen Grundlagen aus
dem 19. Jahrhundert beruhte.
Viele von Ihnen können sich vielleicht nicht vorstellen, wie
viel Freude es machte zu sehen, wie dann Reformprojekte in Gang kamen und wie
viel Freude es machte, an diesen Reformprojekten mitzuarbeiten: Als
Studentenvertreter, als Parlamentarier, als Wissenschaftsminister oder einfach
mit Papier und Bleistift durch Analysen, Stellungnahmen und Vorschläge.
Die Feiern zum 600. Geburtstag der Universität Wien im Jahr
1965 mit großer internationaler Beteiligung waren Wissenschafts-Festwochen: „Die
Wissenschaft muss der Gesellschaft eine Fackel vorantragen und nicht eine
Schleppe nachtragen“, war die inoffizielle Devise dieser
Jubiläumsveranstaltung.
Es fehlt die Zeit, jetzt einzelne Meilensteine aufzuzählen,
Reformgesetze, an denen auf einer breiten Basis gearbeitet wurde,
Institutsneugründungen, der Beitritt zu internationalen Organisationen wie z.B.
zur ESA. Die Einführung der Schrödinger-Stipendien, mit dem Ziel, die Internationalität
des österreichischen Wissenschaftsbetriebes zu fördern. Die Gründung des FWF im
Jahre 1968 und dann eben auch die Schaffung des Wittgensteinpreises und der
Start-Preise, deren 10-jähriges Jubiläum wir heute feiern.
Im Herbst des vergangenen Jahres hat mich das neue Präsidium
des Wissenschaftsfonds unter der Leitung von Präsident Christian Kratky besucht
und über die Arbeit des Fonds berichtet. Damals haben wir im Prinzip die
heutige Veranstaltung in Aussicht genommen, um auf die Bedeutung von
Wissenschaft und Forschung im Allgemeinen und auf die Tätigkeit des Fonds im
Besonderen hinzuweisen.
Immerhin ist der FWF die zentrale Forschungsförderungsinstitution
in Österreich, die Entscheidendes zur Grundlagenforschung beiträgt und unter
anderem für die österreichischen Universitäten eine zentrale Anlaufstelle
darstellt. 80% der FWF-Mittel gehen an unsere Universitäten.
Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Ich habe vorhin ein paar persönliche Anmerkungen zu
Entwicklungen in den vergangenen Jahrzehnten gemacht.
Aber die Freude über manches, was wir erreicht haben, darf
uns die Sicht auf zukünftige Erfordernisse und Notwendigkeiten nicht verstellen.
- Stichwort Ausschöpfung aller personellen Ressourcen.
- Stichwort Akademikerquote: Dazu ist gerade in den letzten Tagen viel diskutiert worden.
- Stichwort Arbeitsbedingungen und Studienbedingungenin manchen Bereichen unserer Universitäten
- Stichwort Forschungsrate
Fest steht also, dass für die nächste Gesetzgebungsperiode
große Aufgaben in diesen Bereichen vor uns liegen.
Meine Damen und Herren!
Ich darf also die ehrenvolle Aufgabe in Angriff nehmen, an
vier verdiente Forscher und Förderer der
Forschung eine hohe Auszeichnung, nämlich das Österreichische Ehrenkreuz für
Wissenschaft und Kunst 1. Klasse für ihre Verdienste um die Republik Österreich
zu verleihen. Die Verdienste von Dipl.-Ing. Dr. Herwig
Kogelnik, Univ.-Prof. Dr. Kurt
Komarek, Univ.-Prof. Dr. Arnold Schmidt und Univ.-Prof. Dr. Georg Wick sind eng mit dem Fonds zur
Förderung der wissenschaftlichen Forschung und damit auch mit den Start-Preisen
und dem Wittgensteinpreis verbunden, liegen darüber hinaus aber auch in den
jeweiligen individuellen Leistungen und in der Wissenschaftsbiographie der
Auszuzeichnenden begründet.
-
Dipl.-Ing. Dr. Herwig Kogelnik ging nach
seinem Studium an der Technischen Hochschule in Wien zunächst nach Oxford, dann
weiter in die USA, an die nominierten „Bell Laboratories“, wo er seit 1961 auf
dem Gebiet der Photonik und der optischen Nachrichtentechnik gearbeitet hat. Seine
grundlegenden Forschungen sind in Fachkreisen als außergewöhnlich und
bahnbrechend beurteilt werden. Obwohl in den USA lebend, riss der
Kontakt zu Österreich nie ab, und so war der zu Ehrende langjähriger
Vorsitzender des internationalen Beirates der Christian Doppler Gesellschaft.
Er wurde vor 10 Jahren Mitglied der internationalen Jury der START- und
Wittgensteinpreise und war bis vor kurzem ihr Vorsitzender. Diese Arbeit für
den FWF hat der heimischen Grundlagenforschung großen Nutzen gebracht.
- Univ.-Prof. Dr. Kurt Komarek begann seine Berufslaufbahn in der Privatwirtschaft, wechselte aber bald an die Technische Hochschule in Wien. Auch ihn zog es in die USA, wo er an der New York University tätig war. 1966 wurde Wien wieder Mittelpunkt der wissenschaftlichen universitären Tätigkeit von Professor Komarek und er wirkte als Universitätsprofessor für anorganische Chemie an der Universität Wien. In der Folge bekleidete er das Amt des Dekans der Philosophischen Fakultät, wurde Prärektor, Rektor und Prorektor der Universität Wien und wirkte von 1977 bis 1979 als Vorsitzender der Österreichischen Rektorenkonferenz. Prof. Komarek hat auch große Verdienste um das IIASA, das „International Institute for Applied Systems Analysis“ in Laxenburg. Als Präsident des FWF (von 1982 – 1991) gelang es Professor Komarek, das Budget des Fonds zu verdreifachen und die Erwin Schrödinger Stipendien einzuführen.
- Mit Univ.-Prof. Dr. Arnold Schmidt ehrt die Republik einen Wissenschafter, der wie die zuvor genannten Persönlichkeiten auf eine erfolgreiche Berufskarriere im Inland wie im Ausland zurück blicken kann. Nach „Lehr- und Wanderjahren“ in Großbritannien (York) und den USA (Berkley), kehrte Professor Schmidt nach Österreich zurück und arbeitete an der Technischen Universität in Wien. Seine Schwerpunkte sind die Quantenelektronik und die Lasertechnik. Als Professor an der Fakultät für Elektrotechnik der TU-Wien gründete er die Abteilung für Quantenelektronik und schuf so die Grundlage für das Institut für Photonik, das er bis 2001 leitete. Diese inneruniversitären Aktivitäten zeigen bereits, dass sich Professor Schmidt stets für Organisationsfragen und forschungspolitische Themen interessierte. Dies spiegelt sich in den zahlreichen Gremien und Gesellschaften wieder, denen er angehörte und zum Teil bis heute angehört. Besonders hervorzuheben sind darunter die Gründung der Christian-Doppler-Gesellschaft und die langjährige Präsidentschaft im FWF, deren Aufsichtsratsvorsitzender er bis heute ist. Immerhin war es Arnold Schmidt, der den Start- und Wittgenstein Preis 1994 in Zusammenarbeit mit Bundesminister Scholten erdacht, bis zur politischen Entscheidungsreife entwickelt und dann auch in seiner Amtszeit als Präsident des FWF eingeführt hat.
-
Der „vierte im Bunde“ ist Univ.-Prof.
Dr. Georg Wick. Auch ihn verschlug es nach beruflichen Anfängen in Wien in
die USA, wo er an der State University of New York at Buffalo wirkte. Von dort
brachte er viel Fachwissen, aber auch das Bewusstsein für den hohen Stellenwert
der Grundlagenforschung in der Medizin nach Österreich mit. In der Folge wirkte Professor Wick
an der Universität Wien. Den Arbeits- und Forschungsschwerpunkt bildete die
Immunpathologie, ein Fach, in dem er auch als Universitätsprofessor wirkte. Besondere Verdienste erwarb sich
Professor Wick mit der Gründung des Institutes für Biomedizinische
Altersforschung in Innsbruck, ein Wissenschaftszweig, der, wie wir alle wissen,
in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen hat. Die Liebe zur Grundlagenforschung,
so darf ich vermuten, führte schließlich auch dazu, dass Professor Wick sich im
Rahmen des FWF engagierte und von 2003 bis 2005 als dessen Präsident zur
Verfügung stand. Die heutige Überreichung des
Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse ist ein verdientes öffentliches
Zeichen der Anerkennung und Wertschützung für Ihre Arbeit.
Ich darf Ihnen nunmehr als
Bundespräsident die Auszeichnungen der Republik überreichen und gratuliere Ihnen
auf das Herzlichste. Darüber hinaus sage ich Ihnen nochmals ein aufrichtiges
Wort des Dankes und wünsche für Ihren weiteren Lebensweg das Allerbeste!
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