Giacomo Puccini statt Richard Wagner, NEUE Vorarlberger Tageszeitung, 21. 7. 2010
Bundespräsident
Heinz Fischers Lieblingsoper ist Puccinis „La Bohéme“. Mit Wagner-Opern
hingegen kann er weniger anfangen.
NEUE: Mieczyslaw Weinberg, der „Composer in Residence“, gehört
ja nicht gerade zu den bekannten Komponisten. Kennen Sie die Hausoper,
die heute Abend Premiere hat?
Heinz
Fischer:
Wir sehen uns „Die Passagierin“ zum ersten Mal an. Ich habe den Inhalt vorher
studiert und ich denke, dass es ein spannendes Thema sein wird. Ich gratuliere,
dass in Bregenz immer wieder moderne und zeitgenössische Kunst präsentiert
wird. Mieczyslaw Weinberg kannte ich bisher noch nicht.
Mit „Andrea
Chénier“ von Umberto Giordano wird nächstes Jahr auch auf der Seebühne eine
relativ unbekannte Oper zu sehen sein.
Richtig.
Ich möchte auch in meiner Eröffnungsrede dem Intendanten David Pountney und
auch dem Präsidenten Günter Rhomberg gratulieren, dass sie ein
künstlerisches Terrain abgesteckt haben, wo sie wirklich beachtliche Leistungen
erbringen. Sie zeigen eine Handschrift, die alles andere als Routine ist.
Aida
haben Sie letztes Jahr schon gesehen. Welche Eindrücke haben Sie mitgenommen?
Gerade auch im Hinblick auf die Bühnenbilder?
Es
sind sehr markante Bühnenbilder, die in Kombination mit dem See und womöglich
mit Sternenhimmel und mit freier Natur etwas ganz spezifisches beim Betrachter
auslösen. Vielleicht geht die eine oder andere Subtilität dadurch verloren.
Aber es ist eben neben dem musikalischen Genuss ein optisch überwältigender
Eindruck.
Mit Franz Lehars
„Der Zarewitsch“ hat der österreichische Festspielsommer begonnen. Welche
Festivals besucht der Bundespräsident?
In
Mörbisch war ich in den letzten zehn Jahren ein oder zwei Mal. Seit ich
Bundespräsident bin, besuche ich Salzburg und Bregenz regelmäßig und mit
wachsender Häufigkeit auch das Festival „Alter Musik“ in Innsbruck. Zudem
variiere ich ein bisschen und besuche Veranstaltungen wie den „Carinthischen
Sommer“ oder die Aufführungen in Erl.
Wenn Sie Hausoper
und das Spiel auf dem See in Bregenz selber aussuchen dürften, welche Werke
würden Sie wählen?
Mir
würde „La Bohéme“ sehr gefallen. Leider habe ich die Aufführung 2001/2002 nicht
gesehen. Deshalb weiß ich nicht, wie gut die Oper auf die Seebühne passt.
Vielleicht ist es auch auf der Seebühne spannend, sich noch weiter an die
Modernität heran zu wagen? Ich weiß es nicht. Ich mache also dem Regisseur
sicher keine Konkurrenz.
Was ist Ihre
Lieblingsoper? Welche Musik hört der Bundespräsident am Abend?
Ich
liebe sowohl klassische Musik als auch Jazz. Bei der klassischen Musik höre ich
spätabends Vivaldi oder Bach. In diese Stimmung kann man sich gut
hineinversetzen. Aber natürlich sind auch Mozart und Haydn große Genies.
Fasziniert war ich von einigen Symphonien von Schostakowitsch. Die gefallen mir
sehr gut. Gustav Mahler ist jemand, der einen zwingt mitzudenken und sich zu
konzentrieren. Was ich umgekehrt sagen kann: Ich bin weder ein Fan noch ein
Experte für Wagner-Opern.
Bayreuth wird
demnach nicht so schnell auf dem Programm stehen?
Das
ist vielleicht eine Bildungslücke, aber ich war noch nie in Bayreuth und es
gibt sicher mehrere Wagner-Opern, die ich noch nicht gesehen habe.
Welche
Programmpunkte sind in Vorarlberg neben Festspieleröffnung und Premierenbesuch
noch vorgesehen?
Am
Mittwoch haben wir die Wallfahrtskirche in Bildstein angeschaut und hatten
einen wunderbaren Abend. In der Vorarlberger Landesbibliothek werde ich
mir die Lorenz-Böhler-Ausstellung ansehen. Am Donnerstag geht es zur
Fotojugendmeisterschaft und zur Ausstellung der Naturfreunde im Landhaus. Nach
der Schifffahrt mit der Hohentwiel fahren wir zum Käsekeller in
Lingenau sowie zur Sennerei und dem Frauenmuseum in Hittisau.
Interview: Sonja Schlingensiepen
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