Vereidigung und Verabschiedung der österreichischen Olympia-TeilnehmerInnen bei den 21. Olympischen Winterspielen in Vancouver/Kanada, 1. 2. 2010
Herr Bundesminister Darabos,
Herr Präsident des Olympischen Komitees,
Dr. Karl Stoss,
Herr Präsident a. D. Leo Wallner,
meine Damen und Herren Abgeordneten,
Herr Generalstabschef Entacher,
Herr
Altbürgermeister Kröll, Präsident der Special Olympics,
und vor allem Sie, meine sehr
geehrten Damen und Herren!
Es ist für mich das zweite Mal, dass
ich die Aufgabe und die Ehre habe, österreichische Teilnehmer und
Teilnehmerinnen an Olympischen Winterspielen zu verabschieden.
Auch ich bin ein bisschen aufgeregt,
weil ja mit Ihrer Vereidigung als Teilnehmer/innen der Olympischen Winterspiele
2010 vieles beginnt, was vielleicht Ihr Leben mitprägen wird, und was in
Österreich und weit über die Grenzen Österreichs große Aufmerksamkeit findet.
Ich kann mir vorstellen, dass das
alles für Sie noch viel aufregender ist. Außerdem haben Sie schon einen langen
Vorlauf hinter sich: Vorbereitung, Qualifikation, Training, Spannung,
Hoffnungen, Ungewissheit.
Aus diesem Grund möchte ich die
Anspannung jetzt nicht weiter steigern mit Aufforderungen zu Höchstleistungen
etc. Das nehmen Sie sich ohnehin selbst vor.
Ich möchte vielmehr als jemand, der
ein gutes Stück älter ist als Sie, und der auch schon spannende Momente und
Herausforderungen erlebt hat, die Dinge zurechtrücken und Ihnen helfen, das
richtige Maß zu finden.
Der Sport ist eine sehr
schöne und eine sehr, sehr wichtige Sache. Das gilt besonders für
den Spitzensport. Olympische Erfolge sind die Krönung von Erfolgen im
Spitzensport. Bei den bisherigen 20 Olympischen Winterspielen hat Österreich
mehr als 180 Medaillen gewonnen, darunter 50 Goldmedaillen. Jede dieser
Medaillen hat ihre eigene Geschichte, ist mit einem Menschen, mit einem
Gesicht, mit einer Biographie verbunden. Gleichzeitig wissen wir, dass es
zehntel, ja hundertstel Sekunden sein können, die zwischen Gold und Silber,
zwischen Medaille und Nichtmedaille, zwischen Jubel und Enttäuschung liegen
können, oder auch zwei Zentimeter, ob man einfädelt oder nicht einfädelt, oder
ein kurzer Wechsel des Windes, ob beim Skispringen die Höchstleistung gelingt
oder nicht.
Es sagt nichts über die Qualität
eines Menschen aus, ob das Sportlerschicksal in solchen Momenten den Daumen
nach oben oder nach unten streckt. Es
kann der oder die über eine ganze Saison Beste, oder die Beste am Tag das
Olympiabewerbes Pech haben, oder Fieber, oder was immer. Und es kann gerade an
diesem Tag ein Außenseiter über sich hinauswachsen.
Und noch etwas: Über einen Erfolg bei
olympischen Spielen hat man mit Recht eine unglaubliche Freude, aber vergessen
Sie nicht, diese Freude zu vergleichen mit der Freude über gesunde Kinder, über
eine harmonische Partnerschaft, über Erfolg im späteren Berufsleben.
Bewahren Sie sich einen gewissen
Gleichmut, sowohl im Fall der Freude, als auch im Fall der Enttäuschung.
Genießen Sie abseits des Wettbewerbes, was sonst mit olympischen Spielen
verbunden ist. Die Ehre, daran teilnehmen zu können, Erinnerungen für Ihr
ganzes Leben, die Möglichkeit neue Freundschaften zu schließen.
Aber eines ist klar. In den nächsten
Wochen werden Sie Gegenstand größter Aufmerksamkeit sein. Sie werden im
Scheinwerferlicht stehen. Sie sind Botschafterinnen und Botschafter
unseres Landes, der Republik Österreich. Österreich bringt Ihnen
viel Vertrauen und viel guten Willen entgegen. Wir wollen stolz sein auf
Sie, und zwar im Sinne des Gesagten nicht nur auf Medaillen oder
Ranglistenplätze, sondern auf Ihr ganzes Auftreten. Auf die Art, wie Sie die
rot-weiß-roten Farben vertreten, auf Ihre Fairness, auf Ihre
Kameradschaftlichkeit, mit einem Wort: auf Sie als Menschen.
Und wir wollen, dass Sie gut und
gesund, glücklich und mit vielen schönen Eindrücken nach Österreich
zurückkommen. Das wünsche ich Ihnen aus ganzem Herzen. Und ich stehe voll und
ganz hinter jedem österreichischen Olympiateilnehmer als fairem Sportsmann und
als faire Sportlerin.
Und nunmehr wird der Herr Präsident
Dr. Karl Stoss die Gelöbnisformel verlesen.
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